Warum eigentlich?

Carsten

Hi, ich heiße Carsten, lebe in Leipzig mit meiner Frau und zwei Kids und bin nun seit kurzem Vikar.

7 Antworten

  1. Melanie sagt:

    Hallöchen,
    ich weiß nicht ob ich die Frage “Warum glaubst du” beantworten kann. Ich komme aus christlichem Elternhaus und wurde quasi in den Glauben hineingeboren – dür mich gehört das Christsein also zum Leben dazu. Und ehrlich gesagt könnte ich auch nicht ins Bett gehen ohne ein kurzes Abendgebet gesprochen zu haben…
    Warum man als Pastor studieren muss, klar, es ist schon gut wenn man ein bisschen was über verschiedene Bibelstellen und die Hintergründe dazu weiß und es auch versteht, eine Predigt so zu strukturieren dass die Argumentation für den Zuhörer nachvollziehbar ist.
    Aber ganz ehrlich: ich glaube, dadurch geht den Pastoren viel von der Echtheit verloren. Immer öfter fällt mir in letzter Zeit auf, wie oberflächlich die Predigtren sind, weil zwar die biblische Argumentation hundertprozent schlüssigg sein mag, aber die menschliche Interpretation fehlt. Und ich bin nunmal ein Mensch und möchte wissen, was die Bibelstelle für MEIN Leben bedeutet (und nicht für das der Propheten,…) Ich habe den Eindruck, dass die Pastoren stellenweise Angst davor haben, ihre Gefühle oder Erfahrungen einzubringen und etwas theologisch nicht bewiesenes zu sagen. Dadurch nehme ich aber immer weniger aus den Predigten mit, eben auch weil ich mittlerweile so lange der Kirche angehöre und viele Bibelstellen plus Auslegung schon zigmal gehört habe und sachlussendlich ist es immer das selbe ^^

    Geht es euch so?

    Lg Melanie

  2. Carsten sagt:

    Hi,
    anscheinend geht es nicht allen so:)
    Aber der Gedanke ist auf jeden Fall beachtenswert. Jeder, der anderen vom Glauben und der Bibel erzählt, muss sich dem stellen, besonders Pastoren. Denn gerade darum geht es hauptsächlich, die Brücke zu schlagen zu heute: Was hat Jesus mir heute zu sagen? Der erste Schritt ist immer: Was hat es z.B. für die Propheten bedeutet? Blöd ist es, wenn es dabei bleibt. Es muss dann der nächste Schritt gemacht werden. Was bedeutet es davon ausgehend für mich/ dich heute?
    Ein Gedanke, der mir noch kam: Als Pastor steht man vor dem “Problem”, dass viele verschiedene Leute da sind. Der eine hat das Problem/ die Frage; der andere das und wieder ein dritter hat vielleicht den Text noch nie oder die (“altbekannte”) Auslegung zum Text gehört. Wie schafft man den Spagat?
    Ich denke, beim Predigthören geht’s ums Mitdenken und Weiterdenken. Den Schritt gehen und sagen: OK, was heißt das für mich?
    Natürlich muss in der Predigt der Ansatz gegeben werden und es sollte nicht nach dem Motto gehandelt werden: Hier, mach dir mal selbst Gedanken! Aber konkret für MEIN Leben, da muss ich oft den Schritt selbst machen. Eben gerade weil soviele verschiedene Leute mit IHREM Leben dasitzen.
    Ganz anders im persönlichen Gespräch. Egal mit wem. Da kann man ganz konkret antworten und auch fragen.

    Nochmal zur Ausgangsfrage: Warum glaubst du/ gehst du in die Kirche?
    Es gehört zum Leben dazu – soweit kann man es schon mal festhalten.
    Aber warum? Weil es schon immer so war? Weil ich es nicht anders kenne?

    • Micha sagt:

      Hallo Carsten,

      auch wenn du gerade versuchst, die Diskussion wieder in eine andere Richtung zu lenken, finde ich den Gedanken, den Melanie hat, schon sehr wichtig.

      Es stimmt mich schon nachdenklich, wenn Melanie schreibt:

      ich glaube, dadurch geht den Pastoren viel von der Echtheit verloren. Immer öfter fällt mir in letzter Zeit auf, wie oberflächlich die Predigtren sind, weil zwar die biblische Argumentation hundertprozent schlüssigg sein mag, aber die menschliche Interpretation fehlt. Und ich bin nunmal ein Mensch und möchte wissen, was die Bibelstelle für MEIN Leben bedeutet (und nicht für das der Propheten,…) Ich habe den Eindruck, dass die Pastoren stellenweise Angst davor haben, ihre Gefühle oder Erfahrungen einzubringen und etwas theologisch nicht bewiesenes zu sagen.

      Mir geht es nämlich auch oft so. Und es stimmt schon, was Carsten sagt: Irgendwo muss man in einer Predigt erklären, wie die ersten Hörer bzw. die Empfänger von Gottes Wort, das alles verstanden haben. Aber meiner Meinung nach darf das nur der kleinere Teil einer Predigt sein. Viel wichtiger ist meines Erachtens die Frage: Was bedeutet das für mein Leben bzw. für das Leben meiner Zuhörer. Ich finde, wir machen es uns zu leicht, wenn wir sagen: Das ist dann die Sache des Predigthörers.

      Das Problem ist, dass es viel leichter ist, einfach die Geschichte nachzuerzählen oder eben zu erklären, warum was wie in der Bibel gesagt wird. Dazu muss ich als Prediger nicht viel über mich und meine Umwelt nachdenken. Viel schwieriger wird es, wenn man sich versucht in andere hineinzudenken. Aber soweit muss man oft nicht gehen: Man könnte sich ja auch einfach in sich selbst hineindenken. Aber das ist eben mitunter schmerzhaft. Und die Meisten vermeiden das lieber.

      Warum ich das sage? So grundlegend verschieden sind Menschen nicht. Klar: Gott hat jeden Menschen als Individuum geschaffen. Und doch haben heute fast alle ein Smartphone und laufen in nahezu identischen Klamotten rum, haben einen ähnlichen Geschmack beim Essen und reagieren in Krisensituationen ähnlich (z. B. mit Panik, Angst…). Der Umgang mit Schuld ist z. B. nicht grundlegend anders: Wir versuchen Schuld wiedergutzumachen – vor uns selbst, vor anderen.

      Was ich damit sagen will: Gute Predigten entstehen immer dann, wenn man den Text, den man zu predigen hat, vorher intensiv auf sich angewendet hat. Und ich glaube, dass dann Predigten herauskommen werden, die auch anderen etwas zu sagen haben.

      Micha.

  3. Benjamin Hugk sagt:

    Ich möchte noch lurz etwas einwerfen. Wenn nun festgestellt wird, dass diese Weltfremdheit bei einem Pastor da ist und auch sonst, damit es Pastoren nicht passiert, kann man als Hörer nun zwei Sachen tun. Numerr eins: Ich sage mir: “Dieser Pastor predigt für mich Zeug, das auf mich nicht zutrifft” und man sucht sich einen anderen Prediger. Nummer 2 ist: Man gibt dem Pfarrer einfach ein Feedback und sagt offen, was einem z.B. an der Predigt nicht gefallen hat. Wie sollen sie das sonst besser machen. So nur ist es auch für einen Prediger leichter, das zu predigen, was uns betrifft. – Ich meine jetzt aber natürlich nicht, dass sich der Pfarrer nur nach den Hörern richten soll, sonst kommt am Ende nichts gutes raus, weil sonst Gottes Wort – gerade weil wir Hörer und die Pastoren Menschen sind -irgendwann aus der Predigt fliegt.
    (Ich hoffe ihr vesrteht mich nicht falsch!)

    A Dieu
    Benjamin

  4. Carsten sagt:

    Hi,
    natürlich ist das, was Melanie geschrieben hat wichtig und hat auch mich zum Nachdenken gebracht. Ich hatte die gleichen Gedanken wie Micha. Es ist einfacher über damals und was es damals bedeutet hat. Die Bedeutung für heute zu finden, dauert länger , tut manchmal weh, ist dann aber auch umso tröstlicher. Jeder (angehende) Pastor sollte sich Melanies und Michas Beitrag zu Herzen nehmen. Nun sind die wenigsten Leser dieser Seite Pastoren (vermute ich:). Deshalb war mein Gedanke, eine Hilfe anzubieten, um diesen blöden Zustand vielleicht ein bisschen zu lindern. Das, was Benjamin schreibt, ist auch sehr empfehlenswert: mit seinem Pastor reden. Jeder Pastor ist froh, wenn er ne Rückmeldung kriegt (vermute ich:). Und zwar mehr als “schöne Predigt”. Redet mit eurem Pastor. Sie sind auch nur Menschen und beißen nicht. Es ist gut, wenn ihr ihnen sagt, was doof war, was gut war, was ihr nicht verstanden habt…

    Zu meiner Ausgangsfrage noch ein paar unvollständige und zu ergänzende Gedanken von mir.
    Wenn jemand euch fragt, warum ihr glaubt oder in die Kirche geht, dann zeigt das ja einen gewissen grad an Interesse und Neugier. Da steht vielleicht beim Fragenden der Gedanke mit im Hintergrund: Was ist der Reiz? Wäre das was für mich?

    Und wenn sie dann hören: War schon immer so. Bin so erzogen. Meine Eltern zwingen mich o.ä. Dann klingt das nicht gerade attraktiv, oder?
    Versteht mich nicht falsch. Jeder, der seinen Heiland von Kind auf kennen darf, kann Gott und seinen Eltern nur dafür danken! Und auch dass man so erzogen wurde und gewisse Dinge einfach dazu gehören, ist gut.
    Aber aus dem Blickwinkel dessen, der gefragt hat, ist das vielleicht nicht so prickelnd und macht nicht unbedingt Lust auf mehr.

    Ich versuch es (klappt nicht immer) meistens so, dass ich von Gott, meinem Heiland und meinem Glauben “schwärme”. Also davon, welchen Halt er mir gibt, in jeglicher Situation. Welche eine Freude es ist, nicht allein zu sein…weder hier in diesem Leben, noch in Ewigkeit.
    Einfach davon zu erzählen, welch ein Trost es ist, zu wissen, dass ich nicht alleine klar kommen muss mit mir und meinem Leben. Wenn ich Bockmist gebaut hab, dann kann ich das abgeben. Dann hab ich jemanden (Jesus), der mir das abnimmt und ans Kreuz trägt.
    Und ja Melanie, es gehört einfach zum Leben dazu. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, ohne Gebet ins Bett zu gehen oder aufzustehen. Weil man in Beziehung zu seinem himmlischen Vater steht, mit ihm reden will, mehr von ihm hören will, sich nicht vorstellen kann, alleine durch dieses Leben zu gehen; einem dunklen Schicksal gegenüber zu stehen…sich nicht vorstellen kann, wie man mit seiner Schuld umgehen soll; damit alleine fertig zu werden…

    Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine. Wenn man nach dem Glauben gefragt wird, dann den ersten Gedanken des Sich-entschuldigen-Müssens, überwinden und dann schwärmen von eurem Leben mit Gott.

    Fühlt euch frei hier euren “Senf” dazuzugeben.
    Carsten

  5. Maik Prätzke sagt:

    mmh.. dass man einfach losredet und Zeugnis gibt, von Jesus schwärmt.
    Das ist doch, was der Heilige Geist tun muss, oder?! “Mit Freimut von seinem Glauben zu reden.” (Vgl. Apg 4,23-29).

    Ist es nicht, dass dieser Geist dadurch in mich kommt und in mir wirkt, wenn ich immer wieder Gottes Wort persönlich nehme?! Sprich, ich darüber nachsinne, wo ich so anders bin, als Gott es gefällt – und mir bewusst mache, dass ich schon wegen meines kleinsten Missachtens Gottes mein Existenzrecht vor ihm verliere.
    Mit diesem Bewusstsein um den unendlichen Abstand von mir zu Gott soll ich aber nicht allein bleiben, sondern wieder zu Gott fliehen. Ja in Gedanken und “Andacht” zum Kreuz gehen und Jesu Vergebung vertrauen, die er schon vor 2000 Jahren auch für mich besiegelt hat?! Darauf vertrauen, dass Gott buchstäblich an Alzheimer leidet, was meine Schuld angeht. Wie wenn ich ihm beichte: “Lieber Vater, ich habe schon wieder … .” Und Gott sagt durch Jesus: “Was für eine Schuld? Ich weiß nicht einmal wovon Du sprichst, komm doch her zu mir!”

    Lebe ich aus dieser Vergebung, wird es mich nicht kalt und stumm zurücklassen… dann lässt der Heilige Geist in mir Früchte wachsen. Zum Beispiel, dass ich auch anderen erzählen will: “Du bist Todkrank – aber ich kenne da ein Mittel… . Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein, aber es ist schon alles bereit und fertig für Dich. Auch Deine Schuld ist Geschichte.”

  6. Carsten sagt:

    Hi Maik,
    ja na klar tut das der Heilige Geist. Aber eben durch dich, durch deine Worte. Gott wohnt in unsren Herzen. Gott benutzt uns als Werkzeug, damit die Nachricht von der Vergebung weitergegeben wird.
    Dies geht bei uns Menschen nie ohne Fehler ab. Deshalb muss ich immer wieder in die Noten, die Bibel, gucken und prüfen.
    Und ich kann dir da nur zustimmen…Es lässt einen nicht kalt und man will es gern weitergeben. Und das macht, wirkt der Heilige Geist. Eben, weil er mir durch sein Wort im Herzen immer wieder aufgehen lässt, was Gott mir in Jesus schenkt.
    Danke für den Alzheimer-Vgl:)

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