Ich bin kein schlechter Mensch! Oder doch?!

Albrecht

Mahlzeit, ich heiße Albrecht Hoffmann und bin zurzeit Jugendpfarrer der Ev.-Luth. Freikirche. Im „normalen“ Leben bin ich Pfarrer zweier Gemeinden unserer Kirche in Crimmitschau und Glauchau im schönen Sachsenland. Das Jahr 1979 gilt als mein Bau- und Auslieferungsjahr. Ich habe die Liebe meines Lebens gefunden und gebunden/geheiratet. Gott hat uns vier Kinder geschenkt. Mein Hobby ist eindeutig das Fußballfan-Sein.

4 Antworten

  1. Ben sagt:

    Mmh… interessanter Gedanke: Schlechtes tun, aber kein schlechter Mensch sein. Da stellt sich ja die Frage nach der Messbarkeit des Schlechten. Gibt es überhaupt einen Maßstab für das Schlechte? Wie misst man Gut oder Böse? Wer legt fest, was richtig oder falsch ist?
    Ich habe von verschiedenen Leuten schon Aussagen gehört wie „Das absolut Gute gibt es nicht, wie es auch das objektiv Böse nicht gibt.“
    Gehe ich menschlich an die Frage ran, würde ich sogar sagen, das stimmt! Wer kann denn in mich reinschauen oder meine Motive sehen. Normalerweise habe ich ja auch für Dinge, die nicht o.k. sind, „gute Gründe“.
    A la: Gehe ich fremd, dann ja bloß, weil es meine Natur ist – ‚ich bin halt nicht zur Treue geboren‘. Fahre ich bei Rot über die Ampel, hatte ich es halt eilig. Auch Hitler hatte ja aus seiner Perspektive gute Gründe für sein Handeln – auch wenn es wesentliche Teile der Menschheit anders beurteilen.
    Klar sage ich als Christ, dass Gott den Maßstab festlegt für das, was gut bzw. böse ist. Auch wenn ich dem manchmal widersprechen will, kann ich nicht anders als dem zuzustimmen. Ist er Chef, macht er auch die Ansagen, was ihm in seinem Unternehmen „Erde“ gefällt und was nicht. Damit sehe ich bei Gott die Instanz, die beurteilt, was als Gut und was als Schlecht zu werten ist.

    Wisst ihr, wie ich meine?!

  2. Lorenz sagt:

    Geniales Thema!
    Genau diese Diskussion haben wir vor kurzem in unserem Jugendkreis geführt. Ich möchte gleich als ‘Christ’ da rangehen.
    Für mich ist sonnenklar, dass Gott die Spielregeln erfunden hat und auch die einzige und oberste Instanz ist, über Sünder Gericht zu halten. Das heißt, wenn Gott vollkommen gerecht handelt, wird er jeden Menschen, der gegen sein Gesetz verstoßen hat ewig verdammen. Er hat die Macht dazu und er dürfte so entscheiden.
    Die eigentliche Frage ist ja nun, ist unser menschliches Wesen automatisch böse, weil wir Böses tun?
    Ich muss ehrlich gesagt passen, weil ich momentan keine eindeutige Antwort darauf habe. Dennoch denke ich, dass es enorme Auswirkungen auf unser geistliches Leben hat, ob wir uns selbst als ‘böses’ oder ‘gutes’ Wesen ansehen. Lasst es mich mal so formulieren: Glauben wir an einen Gott, der uns für unsere Sünde hasst, oder an einen der uns trotz unserer Sünde liebt?
    Die Antwort scheint einfach zu sein. Aber mal ehrlich, fällt es uns leicht, anzunehmen, dass Gott uns väterlich liebt (obwohl wir es verkackt haben)?
    Ich ertappe mich immer und immer wieder dabei, vor Gott quasi im Dreck rumzukriechen und um Vergebung zu betteln. Ich weiß, was ich verkehrt gemacht habe und will mich eigentlich bessern. Tatsache ist aber, dass ich genau dieselben Fehler wieder begehe und von einer ehrlichen Umkehr weit entfernt bin.
    Genau dieses Schema finde ich bei vielen Christen wieder. “Ja, wir sollten etwas an uns ändern”, aber effektiv verändern wir uns kein Stück. Selbst wenn wir mal etwas Gutes zustande bringen, lassen wir uns gleich den Demut-Stempel aufdrücken, weil wir als ‘böse Menschen’ ja gar nichts Gutes tun können. Ich fürchte, dass uns der Teufel an dieser Stelle oft ein verzerrtes Spiegelbild unserer selbst vorhält, aus zweierlei Gründen:
    1. Er will verhindern, dass wir unsere wahren Sünden er- und be-kennen, und
    2. er möchte nicht, dass wir (daraufhin) die Vergebung und Liebe Jesu erfahren.

    Um das kurz zusammenzufassen, ich glaube, dass es eng miteinander verbunden ist, ob wir auf Gottes Liebe vertrauen und ob wir uns als persönlich gut oder schlecht empfinden. Soviel ist klar: Gott hat die Menschen als gute Wesen geschaffen und er will, dass auch wir gut sind, wie er gut ist.
    Ich bin überzeugt, dass es eine große Versuchung ist, sich in seinem Sündersein zu verkriechen und damit nie die himmlisch tröstenden Worte Jesu zu verstehen.
    Wen Gott angenommen hat, den wird er als wirklich gut ansehen, weil Jesus ihn frei von aller Sünde macht.

    • Lorenz sagt:

      Kleine Ergänzung, ich hoffe, das ist einigermaßen verständlich, nämlich:
      Könnte es sein, dass ein verlogener Stolz gerade darin liegt, dass wir meinen nicht stolz sondern demütig zu sein (=guter Mensch), tatsächlich aber nie mit ganzer Ehrlichkeit vor Gott und die Mitmenschen treten? Niemand wird so je an unser Herz rankommen.
      Vielleicht ist es heilsam, regelmäßig zu gestehen, dass wir tatsächlich böse Menschen sind. Gott wird uns dann die große Ehre erweisen, uns dennoch zu lieben. (Menschen übrigens auch, ich glaube, dass ich so richtig lieben lerne, seitdem ich Christus kennengelernt habe)
      Dazu eine meiner Quellen und Verse zum Nachdenken, aus Johannes 5:

      44 Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht?

      45 Ihr sollt nicht meinen, dass ich euch vor dem Vater verklagen werde; es ist einer, der euch verklagt: Mose, auf den ihr hofft. (Mose=Gesetz)

      46 Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben.

      47 Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?

      • Micha sagt:

        Hallo Lorenz,

        Ich fand deine offenen Worte ziemlich gut. Und ich freue mich darüber, dass es auch anderen so geht wie mir. Ich hoffe, dass ich dich richtig verstanden haben.
        Klar. Gott ist der Schöpfer. Und er kann die Spielregeln festlegen. Das hat er auch gemacht. Aber nicht um es irgendwie spannend zu machen. Sondern die Spielregeln haben ja einen Sinn. Sie sind zu unserem Besten gedacht. Wenn wir uns nicht dran halten, geht’s schief. Das ist genauso, als würde ich bei Rot über die Ampel fahren und mich dann hinterher beschweren, weil ich eine Unfall gebaut habe.

        Aber nun ist es ja so, dass wir die Spielregeln, die Gott und gegeben hat, ganz oft vollkommen ignorieren. Nur ein Beispiel: Wer liebt seine Schöpfer schon über alle Dinge. Und es gibt sicher noch jede Menge anderen Mist, den jeder selbst gut genug kennt. Und die Auswirkungen kann sich auch jeder selbst in seinem Leben anschauen.

        Die Frage ist ja nun, sehen wir uns selbst als gut oder böse an. Vergleiche ich mein Leben mit den Spielregeln, die Gott mir gegeben hat, kann ich nur sagen, dass es da oft ziemlich finster aussieht. Aber ich darf ja wissen, dass Jesus für all das bezahlt hat.

        Und hier ist ja nun genau der Knackpunkt, den du, glaube ich, meinst. Es kann nämlich verdammt schwierig sein, Jesus zwischen sich und seine Sünde und den Zorn Gottes über meine Sünde zu schieben. Gerade wenn es um Dinge geht, die ich genau weiß und trotzdem immer wieder falsch mache. Und da kann man schon ins Fragen kommen: Mache ich mir das da nicht zu einfach, wenn ich meine Schuld auf einen anderen, auf Jesus schiebe? Vergibt der mir das wirklich? Und muss ich nicht wenigstens auch meinen Teil dazu beitragen, dass es besser mit mir wird?

        Mir hilft es da immer klar zu unterscheiden: Jesus ist wirklich für meine Sünde gestorben. Er hat mir wirklich vergeben. Und zwar alle Schuld. Auch die Sachen, die ich immer wieder verkacke, gehören in dieses: Dir sind deine Sünde vergeben. Auch wenn ich vielleicht anders darüber denke. Auch wenn ich vielleicht mit dem Kopf schüttle: Das geht doch gar nicht. Doch das geht. Jesus hat mir genau das versprochen. Wollen wir da widersprechen?

        Aber Gott sieht uns nicht als gut an, weil wir vielleicht so viel mit unserer Sünde zu kämpfen haben oder vor ihm im Dreck herumgekrochen sind und unsere Sünde aus tiefem Herzen bereut haben. Gott sieht uns als gut an, weil er nicht mehr auf uns schaut, sondern auf Jesus. Der war perfekt und hat sich immer an die Spielregeln gehalten. Jesus hat genau das getan, was ich nicht könnte. Er hat es getan, weil er zwar die Sünde hast, aber mich trotzdem liebt. Und deshalb macht er Sünde zur Nichtsünde. Es ist dann so, als hätten wir uns immer an die Spielregeln gehalten. Wir sind Gottes Kinder – besser geht es nicht.

        Und deswegen dürfen wir auch mit erhobenen Haupt vor Gott treten. Ja Gott hat uns zu Königen gemacht. Das was Jesus gehört – ewiges Leben, Vergebung, volle und ungeteilte Liebe des Vaters – gehört auch uns. Und er hat uns zu Priestern gemacht. Er hat uns Macht über sich gegeben. Er sagt: Alles was ihr in meinem Namen bitten werdet, das werde ich auf jeden Fall wahr machen. Krass, wenn man sich das mal so durchdenkt.

        Oft ist es aber so, dass wir genau das so schwer glauben können. Ich zweifle da auch oft dran, wenn ich dann eben doch wieder den ganzen Mist sehe, den ich so tagein tagaus mache. Aber – und damit kannst du dich trösten: Das ist normal. Das ist sogar ein Zeichen des echten Glaubens. So wie bei Paulus (Röm 7):

        18 Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. 19 Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. 20 Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. 21 So finde ich nun das Gesetz, dass mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. 22 Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. 23 Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. 24 Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? 25 Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn! So diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.

        Das ist der Kampf aller Christen zu allen Zeiten. Das kannst du eigentlich immer wieder lesen. Z.b. Bei Luther, aber auch bei vielen anderen. Diese Spannung auszuhalten: Ich sehe mein Leben und das was ich an Mist verbocke. Und auf der anderen Seite um die Vergebung ALLER Sünden zu wissen. Diese Spannung ist Teil unseres Leben als Christ. Zumindest so lange wir noch auf dieser Erde leben.

        Ich bin auf deine Antwort gespannt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


+ 1 = vier

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>